Plastikfrei einkaufen und kochen

Ich prahle sehr oft damit, dass ich deutlich weniger Zeit mit dem Lebensmitteleinkauf verbringe und das trotz – oder gerade wegen? – veganer Ernährung und frischer Zutaten. Hier versuche ich zu erklären, wie mir das gelingt.

Eines sei vorweg gesagt: Ich erstelle nie einen Wochenplan mit den Gerichten, die ich gerne kochen würde. Ich denke aber, dass das vielen helfen würde, die ein Schwierigkeiten haben, kreativ zu werden, Und noch eines: Ich halte mich kaum an Rezepte, was nicht immer gut ist. Aber ich koche nun schon lange genug, um zu wissen, was geht und was nicht, oder auch, wie ich ein Gericht rette, wenn doch mal was schief geht.

Meine Leser wünschen sich Tipps und Anleitungen, was ich aus Gemüse und anderen unverpackten Einkäufen so alles zubereite. Denn viele glauben,

  1. vegan und plastikfrei geht nicht
  2. vegan und zeitsparend geht nicht
  3. vegan ist teuer

Mit diesen drei Vorurteilen möchte ich aufräumen.

Vegan und plastikfrei geht nicht

Tatsächlich fällt es vielen Veganern schwer, auf pflanzliche alternativen zu tierischen Produkten zu verzichten, auch, wenn sie in Plastik verpackt ist. So setzt jeder seine Prioritäten. Ich möchte beides nicht und das funktioniert für mich ganz gut. Nebenbei sei erwähnt, dass ich für die anderen drei Schuberts sehr wohl noch tierische Produkte kaufe. Darunter Bio-Milch aus Franken, Bio-Käse und Joghurt.

Das mag jetzt radikal klingen, aber ich verzichte gänzlich auf vegane Lebensmittel, die in Plastik verpackt sind. Ich trinke Kaffee schwarz, esse Müsli mit Haselnussmilch statt Soja-Joghurt und ersetze veganen Käse durch meine selbstgemachten Aufstriche.

Manche mögen es Verzicht nennen. Für mich ist es trotzdem Genuss.

Vegan und zeitsparend geht nicht

Mein Einkaufskorb füllt sich, je nach Jahreszeit, mit unterschiedlichem Obst und Gemüse. Dazu kommen Brot, Nüsse und Trockenvorräte von Bohnen, Erbsen und Linsen. Das Kochen nimmt am Ende die wenigste Zeit in Anspruch.

Ich kaufe jede Woche einen großen Korb Obst und Gemüse ein. Das wird, zusammen mit den Resten der letzten Woche, verarbeitet. Brot kaufe ich jede Woche frisch, Nüsse bei Bedarf.

Nudeln, Reis, Bohnen, Linsen und Erbsen sowie viele andere Lebensmittel, die sich lange lagern lassen, kaufe ich alle drei Monate im Unverpackt-Laden. Und zwar in großen Mengen. Verstaut wird beim Einkauf alles in Beuteln, daheim wird in Gläser umgefüllt.

Vegan ist teuer

Convenience-Produkte aus dem Supermarkt-Regal, die den Vegan-Stempel tragen, sind häufig nicht ganz günstig. Das ist richtig. Allerdings verzichte ich auf diese Produkte nahezu komplett und stelle die Alternativen dazu selbst her.

Bei mir gibt es keine veganen Frikadellen aus der Packung, wenn ich welche möchte, mache ich sie selbst. Ich kaufe keine vegane Schokolade, weil sie mir nicht schmeckt. Aber ab und an gönne ich mir ein veganes Eis aus der Supermarkt-Gefriertruhe. Die ist nicht ganz günstig, aber das ist drin. Denn ich spare an anderer Stelle.

Ich finde, vor allem Gemüse ist günstig. Ich habe Kräuter und Tomaten im Garten. Im Nachbarort bekomme ich Gurken, Paprika und Tomaten – einen ganzen Korb voll – für 3,90 Euro. Biokartoffeln kaufe ich beim Nachbarn für 1,60 Euro pro Kilo. Ich muss dafür nicht mit dem Auto einkaufen gehen, kann alles zeitsparend und günstig vor der Haustür kaufen. Auch das spart Geld.

Und dennoch gebe ich gerne mehr Geld für gute Lebensmittel aus, als viel Zeit beim Einkaufen zu verbringen.

Was macht man aus dem Gemüse?

Nun geht es aber eigentlich darum, was man aus Gemüse alles machen kann. Oder was bei uns auf den Tisch kommt. Ich will es gerne erklären und versuchen, es möglichst leicht verständlich auszudrücken. Es handelt sich hier lediglich um ein Beispiel, wie man es anstellen kann, ohne jeden Tag wieder stundenlang den Kochlöffel zu schwingen.

Tag 1

  • Ich koche einen großen Topf Nudeln und einen kleinen Topf Reis.
  • Nebenbei schäle ich Karotten und Sellerie  und koche das Gemüse ab. Das Kochwasser unbedingt auffangen. Es ergibt eine herrliche Brühe.
  • Sellerieblätter, Walnüssen, Olivenöl, Salbei und Melisse aus dem Kräuterbeet, Salz und Pfeffer und Knoblauch verarbeite ich im Mixer zu einem Pesto.
Selbst gemachtes Sellerie-Pesto hält im Kühlschrank eine Woche.
  • Ich brate mir zwei große Portobello-Pilze mit einer in Scheiben geschnittenen Zucchini in der Pfanne an.
  • Zehn Tomaten landen mit Kräutern, Knoblauch, einer Zwiebel und etwas Brühe im Mixer. Daraus wird eine Tomatensoße.

Das alles dauert nicht länger als 45 Minuten. Daraus entstehen drei Gerichte.

Für mich ein Teller mit den Pilzen, Gemüse und Reis, dazu etwas Pesto.

Mein veganes Abendessen mit Portobello-Pilzen und selbst gemachtem Sellerie-Pesto

Für die Kinder Nudeln mit Tomatensoße. Sie lieben das. Dazu nehme ich einen Teil der Nudeln und die Hälfte der Soße. Sie wird vorher nicht gekocht, sondern nur mit den Nudeln im Topf erwärmt. Die andere Hälfte der Soße wandert in einen Topf mit einer klein geschnittenen Chilli und etwas scharfem Gewürz. Wenn es schnell gehen muss, nehme ich ein Glas Bohnen, wenn ich welche da habe, koche ich vorher Bohnen oder Linsen ab. Das ergibt ein veganes Chilli für meinen Mann.

Tag 2

Oft bleibt ein Rest vom fertigen Essen übrig, der am nächsten Abend gegessen wird oder zumindest einen Teil des Essens darstellt. Meistens reicht das Gekochte tatsächlich für zwei Tage.

Die übrigen Nudeln – ich koche immer mindestens 500 g ab – verarbeite ich mit dem restlichen Gemüse und ein paar frischen Champignons zu einem Nudelsalat.

Das Pesto eignet sich übrigens super als Unterlage für ein Brot zum Mitnehmen. Ich hab es mir auf ein Kornspitz gestrichen mit Gurken- und Champignon-Scheiben garniert. Ein toller Snack für unterwegs.

Tag 3

Aus Tomaten, Sellerie und Karotten koche ich eine Suppe – mit der übrigen Brühe des abgekochten Gemüses. Nach dem pürieren gebe ich noch die Reste vom Reis hinein. So hat man eine Suppe, die satt macht.

Tag 4

Zwischendurch gibt´s mal eine Brotzeit.

  • klein geschnittene Gurken, Rettich in Scheiben, Tomaten und Paprika
  • dazu Pesto oder selbst gemachte Brotaufstriche
  • Brot, gerne auch schon älteres, das röste ich in der Pfanne
  • die Kinder essen gerne Käse

Und so bekommt jeder seine eigene, fertig belegte Brotzeitplatte. Ich gebe mir viel Mühe und möchte, dass es schön aussieht. Das Auge isst schließlich mit und so macht man den Kindern oft auch etwas Neugier auf Lebensmittel, die sie sonst ablehnen.

Ich hoffe, ich konnte euch nun ein paar Anregungen liefern und euch davon überzeugen, dass man weder große Pläne machen muss, noch viel Zeit braucht, um frisch zu kochen und sich besser zu ernähren. Ich bin gespannt auf eure Kommentare. Wenn ihr noch etwas wissen wollt, immer her mit den Fragen.

11 Gedanken zu “Plastikfrei einkaufen und kochen

  1. Ich koche zwar nicht ausschließlich vegan, aber vegetarisch – auf Fleischersatz-Produkte verzichten wir auch komplett. Und man wundert sich was sich alles für schmackhafte Gerichte aus „nur“ Gemüse zubereiten lassen! Als Inspiration kann ich auch das Kochbuch von Lisa Pfleger „Vegan, regional, saisonal“ empfehlen.
    Lieben Gruß, Sissi

  2. Liebe Frau Schubert,

    ich finde es toll, dass bei Ihnen alles so unkompliziert ist. Wir leben ebenfalls seit Jahren nahezu plastikbefreit, aber bei uns ist der Alltag dadurch durchaus auch etwas komplizierter geworden. Warum? Wir leben in einer kleinen Stadtwohnung. Hier ist nur Platz für ein kleines Eisfach, einfrieren ist also nicht drin. Vorräte für 3 Monate anzuschaffen ist einfach platzmäßig ebenfalls nicht möglich. Großartig vorkochen und im Kühlschrank lagern ist schon eine Meisterleistung. 1 x pro Woche kaufen wir im Bio-SM ein. Wir fahren etwa alle 4-6 Wochen zum Unverpackt Laden, der weiter weg ist. Natürlich doof, wenn man dort ist und (mal wieder) etwas wieder ausverkauft ist. Also auf Ersatz zurückgreifen und kreativ sein. Kostet auch Zeit im Alltag mit Job und Kind. Zum Glück haben wir einen lokalen Bauern, der sein Gemüse (nicht Bio) samstags in der Nähe verkauft, das erspart Wege. Doof, wenn Gemüse und Obst doch mal unter der Woche gekauft werden müssen. Im SM um die Ecke ist es echt schwer, irgendwas ohne Plastik zu finden. Und der wöchentliche Markt in der Nähe findet statt, wenn ich Dienst habe, der andere ist wieder weiter weg. Ich koche täglich frisch, nicht vegetarisch, aber fast täglich veg./vegan. Fertigfutter gibts bei uns nicht. Wenn ich aber sehe, wie andere befreundete Familien ihren Alltag meistern, ist es natürlich einfacher, in den nächsten Supermarkt zu gehen und eine Packung / ein Glas aufzumachen anstatt alles selbst zuzubereiten. Dennoch möchte ich das für uns nicht ändern. Aber einfacher ist unser Alltag definitiv nicht geworden, dazu mangelt es uns an Platz zur Bevorattung und den meist langen Wegen, um an plastikfreien Lebensmitteln zu kommen.
    Liebe Grüße
    Anne

    1. Liebe Anne,

      oh je, das ist schade. Ich höre in der Stadt oft: Was macht ihr denn auf dem Land? Ihr habt ja nix und wir in der Stadt haben die richtigen Geschäfte vor der Tür.
      Ich sage dann immer: Und wir haben den Platz…
      Es hat also alles Vor- und Nachteile.
      Ich denke, jeder muss für sich den richtigen Weg finden. Sie sind definitiv auf dem richtigen Weg! Schön, dass Sie den Mehraufwand in Kauf nehmen. Sie wissen ja, wofür Sie‘s tun!

      Alles Liebe,
      Schu

    2. Hallo Anne,
      ich finde deinen Kommentar sehr inspirient, denn du sprichst mir aus der Seele. Das plastikfreie, gesunde Leben ist nicht einfach, aber warum auch! Wir haben all die Jahre in Verschwendung von Ressourcen gelebt und nun wacht man langsam auf, und upps mach muss sich wieder bewegen und etwas tun, um an gute, gesunde Lebensmittel zu kommen und bitte auch plastikfrei. Bleib dran und mach weiterso. Frau Schubert hat mich vor ca. 2 Jahren wachgerüttelt und seitdem stelle ich kontinuierlich um, und ich freue mich über eine Familie dich mitzieht. Meine Tochter 16 Jahre war letzten Freitag zu den „Friday for Future“ Demo in Ulm. Super! Danach wollten jedoch einige Demonstraten noch zum große M was essen gehen!!!! Der Widerspruch schlecht hin, sie konnte einige überzeugen mit ins Vegane Bistro zu gehen und oh, das schmeckt ja viel besser…..
      Ich wünsche dir alles Gute.
      Karola

  3. Liebe Frau Schubert, wir wohnen auch in der Stadt und es ist manches garnicht so einfach aber ich versuche vieles umzusetzen.

    gerne wollte ich etwas ganz anderes fragen, haben sie kleine Einblick Fotos von ihrem zu Hause?
    Was nutzen sie denn für einen Kühlschrank?

    ganz liebe grüsse aus hamburg

  4. Das ist mal ein schöner Bericht über Vegan und Plastikfrei. Ich arbeite an beiden Baustellen und werde immer besser. Habe ein tolles Buch gefunden : „die vegane Vorratskammer“. Vielleicht kennen sie es!? Auf jeden Fall ist dort ein Rezept für veganen Joghurt und für Sojamilch drin, sowie für vegane Butter und vieles mehr Alles beinahe Plastikfrei herzustellen….vielleicht können sie damit doch bald den Kaffee wieder mit Milch trinken

Kommentieren

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.