Natur vs. Plastik

Eine Zeit lang dachte ich, es gebe nichts besseres als Tücher und Bettwäsche aus Mikrofaser. Sie trocknet schnell, ist bügelfrei und wischt nur mit Wasser streifenlos sauber. Außerdem wächst sie nicht in der freien Natur, benötigt also weder Wasser noch Pestizide. Heute weiß ich es besser…

Ich habe früher ein Vermögen für Putzlappen, Wischbezüge und sämtliches Zubehör aus Mikrofaser ausgegeben. Und ich gebe zu: Einige davon habe ich heute noch. Es ist also nicht so, dass das Zeug nichts taugt. Und trotzdem möchte ich solche Tücher nicht mehr verwenden. Zumindest nachgekauft wird nichts davon.

Das Problem mit der Mikrofaser

Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik.

Primäres Mikroplastik wird industriell hergestellt und etwa als Granulat in der Kosmetikindustrie verwendet. Beispiel: Allein in einer Tube Gesichtspeeling befinden sich über 300.000 Plastikpartikel.

Sekundäres Mikroplastik entsteht durch die Verwendung von Kunststoffen, etwa durch Reifenabrieb, aber eben auch durch durch Textilien aus synthetischen Stoffen.

Alle Textilien verlieren Fasern

Das Baumwollshirt verliert bei jedem Waschgang ebenso Fasern wie der Fleece-Pullover. Große Teile davon landen im Flusensieb der Waschmaschine. Ein nicht geringer Anteil rutscht aber durch und gelangt ins Abwasser und anschließend in die Kläranlage. Wenn es dort nicht gefiltert wird, kann es auf Äckern landen, denn häufig wird Klärschlamm nicht verbrannt, sondern auf Feldern ausgebracht.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes landen so bis zu 400 Tonnen Syntetikfasern dort, wo sie nicht hingehören: In der Natur.

Wie erkennt man Mikrofaser?

Bei Textilien muss man oft nur aufs Etikett schauen. Kunstfasern heißen Polyester (das ist die häufigste Bezeichnung), Acryl (wird oft in Strickware verwendet), Elasthan sorgt für Dehnbarkeit und Polyamid wirkt wasser- und schmutzabweisend und wird häufig für Bademode verwendet.

Kunstfasern richtig waschen

Natürlich ist es nicht umweltfreundlich, sämtliche Produkte aus Kunstfasern zu entsorgen. Wichtig ist aber, sie richtig zu waschen. Ich verwende seit Jahren einen Waschsack, der undurchlässig für Fasern ist. Sie sammeln sich in den Ecken und ich kann sie am Ende des Waschgangs herausnehmen und im Restmüll entsorgen.

Im Guppyfriend, so heißt der Beutel, landen aber auch Textilien, die geschont werden sollen und deren direkten Kontakt mit der Wäschetrommel vermieden werden soll. Dazu gehören empfindliche Wollpullover oder Feinwäsche.

Ersatz gesucht

Noch keine gute Lösung ist mir bei Bodenwischtüchern untergekommen. Danach werde ich auch häufig gefragt. Es gibt Wischtücher aus einer Baumwoll-Polyester-Mischung – reine Baumwolle habe ich noch nicht gefunden. Meinen Bodenwischer, den ich nun seit über 15 Jahren besitze, möchte ich dennoch nicht eintauschen.

Meine Lieblingsfaser

Vor einiger Zeit habe ich mich in Leinen verliebt! Eine tolle Naturfaser, die selbst in Deutschland wächst, die es in dicker und dünner Ausführung gibt und die über tolle Eigenschaften verfügt:

  • Leinen entwickelt einen natürlichen Fleckschutz, der mit jeder Wäsche ausgeprägter wird
  • Bettwäsche aus Leinen kühlt im Sommer und wärmt im Winter, da sie temperaturausgleichend wirkt
  • Geschirrtücher aus Leinen sind das beste, was mir je untergekommen ist. Sie polieren Gläser, Herd und Spiegel streifenfrei, eignen sich aber auch zum Trockenwischen von Möbeln und Küchenschränken. Und weil sie sehr dünn sind, trocknen sie blitzschnell wieder, wenn man sie aufhängt.

Übrigens biete ich in meinem BloP-Shop Geschirrtücher aus Leinen in zwei Farben an. Vielleicht wollt ihr mal schauen.

Wer mehr über Mikroplastik erfahren möchte: In meinem Buch „Noch besser leben ohne Plastik“ dreht sich alles um die kleinen Plastik-Biester und deren Vermeidung.

 

21 Gedanken zu “Natur vs. Plastik

  1. Ich habe auch noch so Einiges an Mikrofasern im Putzschrank und das werde ich auch nicht entsorgen. Danke für die Idee mit dem Guppybag. Ich werde ab jetzt mein Mikrofaser“zeug“ darin waschen. Ansonsten trage ich nur Naturfasern. Ich habe gefühlt eine Kunstfaserallergie. Ich kann das nicht auf der Haut haben und ich bekomme Kopfschmerzen. Also achte ich beim Kauf strikt darauf, dass in meinen Schrank nur Naturfaserkleidung kommt. Im Moment ist sowieso Konsumruhe angesagt. Ich brauche gerade nichts.

    1. Leinen ist super, da bin ich ganz bei Dir! Als Bettwäsche liebe ich es, als Trockentuch und besonders gerne mag ich Leinenkleidung. Einen Guppybeutel habe ich auch, aber ganz große Decken/Bettwaren passen leider in meinen nicht rein und alles mag ich nicht wegwerfen. Am liebsten würde ich den Abwasserschlauch der Waschmaschine ibn den Guppybeutel hineinhängen und mein Waschwasser filtern. Warum nur gibt es noch keine Waschmaschinen mit Mikroplastikfilter?

  2. Ich kaufe so etwas auch nicht mehr nach. Mitlerweile werden bei mir als alten Baumwoll TShirts Putzlappen. Die Fenster waren noch nie so streifenfrei und sauber wie damit. :-)

  3. Ich frage mich inzwischen bei allen „Superlösungen“, die uns so von der Industrie als einzig praktizierbare Alternative serviert werden: Was hätten meine Großeltern oder meine Urgroßeltern getan, wie sahen ihre Problemlösungen aus? Sie haben auch die Fenster und die Böden sauber gekriegt. Für den Boden ist auch heute noch meine Lieblingskombi Schrubber (aus Holz und pflanzlichen Borsten) und Aufnehmer (grober Stoff, ich vermute aus Baumwolle), da braucht man kein Stück Plastik oder Mikroplastik für.

    1. Kennen Sie noch eine Alternative zur Guppybag? Nachdem nun unsere dritte trotz pfleglicher Behandlung
      kaputt gegangen ist, bin ich auf der Suche nach etwas, das länger hält als ein paar Monate.
      Herzliche Grüße,
      Ulla

      1. Ehrlich? Das ist ärgerlich. Ich kenne leider keine Alternative und kann übrigens nicht klagen. Ich hab meinen Beutel von ein paar Jahre und er ist intakt. Das ist schon komisch… haben Sie den Hersteller kontaktiert?

  4. Bei der Firma Hygi online habe ich letztes Jahr endlich Aufnehmer und Überzieher (Tennesseemopp) aus Baumwolle gefunden. Manchmal findet man sie auch in Öko- bzw. Unverpackt-Shops. Könnte man selbst zu Überzieh-Wischern zusammennähen. Hätte ich nix ohne Kunststofffasern gefunden, ich hätte mir selbst Überzieher aus alten Baumwollhandtüchern genäht.
    Selbst wenn man Kunststoffsachen im Guppyfriend wäscht, so fliegen beim Gebrauch doch überall die Fasern herum. Wir atmen den Staub, er landet in unserem Essen, und die Tiere bekommen es leider auch ab. In meinen Guppyfriend kommt jetzt noch das, was es ohne Elasthan nicht gibt .BHs, oder was an Unterwäsche und Socken noch mit Elasthan-Anteil verblieben ist. Es ist keine Schande, die paar Fehlkäufe an Kunststofftextilien der Müllverbrennung zu übergeben, wenn man schon wenig Müll erzeugt.

    1. Bei Hygi hab ich nur eine Mischung gefunden. So, wie bei allen anderen…
      Und mit den Fasern stimme ich auch zu, aber ich sehe es anders. Manche Sachen gibt’s ja gar nicht aus Baumwolle, trotzdem werden sie benötigt. Und dann macht so ein Sack schon Sinn.

      1. Artikelnummern 27757 und 37806 – es sind keine Mischungen.
        https://www.hygi.de/aufnehmer-baumwolle-blau-pd-757
        https://www.hygi.de/floorstar-tennesseemopp-pd-10806

        Ja, der Guppyfriend ist eine gute Erfindung. Er bekommt bei mir die letzten Dinge, in denen Kunststoffanteile sind. Nur die alte Ski/Winter-Jacke passt da nicht rein.

        So gänzlich komplett ohne Kunstfaser wird wahrscheinlich gar nichts mehr sein, da viel mit Kunststoffgarn genäht wird und eingelegte Gummis eventuell nicht aus Kautschuk sind.

        Bis vor einiger Zeit habe ich auch keine Unterwäsche mehr oder feine Socken nur aus Baumwolle gefunden (ich denke, bis auf die Fäden, das muss wohl nicht deklariert werden), aber bei Living Crafts und HessNatur bekommt man sowas inzwischen auch in verschiedenen Ausführungen. Und je weniger Plastikanteil desto besser!

        In meinem Haushalt fällt mir kein Textil ein, das aus Kunstfaser sein MUSS. Für eigene Nähprojekte habe ich feste Baumwollgarne auf Holzrolle aufgetan, bei der Stoffbotin. Im Lockdown ist sogar Zeit, eigene Bustiers oder BHs zu nähen, wenn man schon mal beim Maskennähen angefangen hat :-D

  5. Ja leider. Der kleine Haken am Reißverschluß hat nie lange gehalten und nach ein paar Wochen ist dann der ganze Reißverschluß kaputt gegangen. Wie gesagt, trotz pfleglicher Behandlung. Nein, den Hersteller habe ich noch nicht kontaktiert. Werde ich mal versuchen.

    Eine Dame hat hier Ha-Ra erwähnt.Daraufhin habe ich auf deren Internetseite geschaut. Die bieten auch einen Wäschebeutel an, der Mikroplastik filtern soll, wesentlich günstiger als die Guppybag. Ich habe einen bestellt
    und werde berichten, auch von meinem Reklamationsversuch.

    Herzliche Grüße,
    Ulla

      1. Sorry, eine längst überfällige Antwort. Ich habe den Guppybag Hersteller kontaktiert. Es kam eine freundliche, ausführliche Antwort mit dem Angebot einer Reparaturanleitung, allen Punkte, wie man den Waschbeutel verwenden soll und das Angebot, mir einen neuen zu schicken, das ich gerne angenommen habe. Bei Ha-ra habe ich auch nachgehakt. Kam auch eine freundliche Antwort, daß es bei dem Waschbeutel aufgrund des Materials und des Gewebes nicht zu Faserabbrüchen käme. Er nur evtl nach einigen Jahren durch Verschleiß ersetzt werden müsse. Habe beide Waschbeutel im Gebrauch. Halten beide gut. Herzliche Grüße

  6. Ich habe auch diverse Microfaser-Lappen für den Wischer. Benutze diese aber nur noch für das schnelle Aufwischen zwischendurch. Bin nach wie vor der Meinung, dass der gute alte Wischlappen mit Schrupper den Boden sauberer macht ohne Streifen. Mit dem Wischer habe ich immer Streifen. Microfaser Bettwäsche habe ich eine einzige. Die verwende ich nur für Gäste. ;), ist halt schnell gewaschen. Ich selbst kann es nicht leiden darin zu schlafen. Sie klebt so am Körper.
    Zum Spülen und Abwischen nähe ich mir aus alten Frotteetüchern und Baumwollstoffresten meine Spültücher selbst. Liegen gut in der Hand und haben schon unzählige Wäschen überstanden. Diese Spültücher verschenke ich übrigens auch oft, jetzt auch mit dem Spülseifenstein. Der Tipp mit dem Nähgarn auf der Holzspule war super. Das werde ich zukünftig kaufen.

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