Deutschland: Ein Volk der Plastikvermeider?

Nun ja, eine aktuelle Umfrage von NaturEnergiePlus vermittelt zumindest den Eindruck, die Deutschen seien gegen Plastik. Doch das, was die rund 1.000 Befragten derzeit bereit sind zu leisten, um Kunststoffe zu sparen, ist viel zu wenig.

Die Nutzung von Plastiktüten ist enorm zurückgegangen. Das ist nicht neu. Seit viele Händler sie nur noch zahlungspflichtig abgeben, wurden zwei Milliarden Kunststoffbeutel weniger gekauft. Das sind die Zahlen von 2016 aus Deutschland. Die Umfrage von NatureEnergiePlus zeigt auch, warum das so ist. Ich habe das übrigens schon länger vermutet. 40 Prozent der Befragten geben zu, kein Geld für Plastiktüten ausgeben zu wollen. Immerhin 82 Prozent sagen aber auch, dass sie der Umwelt zuliebe auf Tüten verzichten.

Gesteigertes Umweltbewusstsein?

Ich will das jetzt nicht schlecht reden, aber Plastiktüten allein sind nicht unser größtes Problem. Das sind nämlich die Verpackungen! Auf die Frage, ob sie sich vorstellen können mit eigenen Behältnissen einzukaufen, antworteten 50 Prozent der befragten mit JA. Vorstellung macht aber noch keine Änderung. Der Grund ist schnell gefunden: Der Handel macht es uns einfach schwer, vor allem, wenn man sich noch nicht näher mit der Materie Plastikvermeidung beschäftigt hat. Einfach losziehen und kein Plastik kaufen is nich.

Seife ist eher unbeliebt

Was mich etwas stutzig macht ist, dass Seife am Stück sehr unbeliebt zu sein scheint. Denn obwohl 73 Prozent lieber Wasser aus Glasflaschen trinken möchten, sträuben sich die Befragten gegen die Verwendung eines Seifenstückes. Fast 40 Prozent bevorzugen die Flüssigseife, Und das, obwohl das eine sehr einfache Methode ist, Plastik zu sparen. Und zwar nicht nur an Verpackung, sondern auch beim Inhalt. In vielen Seifen stecken nämlich nicht nur unerwünschte Chemikalien, sondern auch flüssige Polymere, die als Mikroplastik unser Wasser verunreinigen.

Die gesamte Umfrage ist hier zu finden: Umfrage Plastik

4 Gedanken zu “Deutschland: Ein Volk der Plastikvermeider?

  1. Ja. „Können sich vorstellen“ – das seh‘ ich auf dr Arbeit: „Brauchen Sie eine Tüte? Kostet 20 Cent“ – „Achja, die kosten ja jetzt. Naja, ich wollte ja eh was für die Umwelt tun“
    Toll!
    Ganz richtig formuliert: „Vorstellung macht aber noch keine Änderung“ – ich würde dem Handel da nicht den schwarzen Peter zuschieben wollen. Ja, es wird uns schwergemacht. Aber das wäre anders, würden die KundInnen es anders verlangen. Und das eben tun sie nicht: Selbst bei meiner neuen Arbeit im Bioladen, wo die MW-Brottaschen direkt an der Theke hängen, die Gemüseziehverschlußnetze gleich bei der Kontrollwaage nehmen mindestens 98% der Kunden Papierbrottüten, etwa 80% Papiertüten fürs Obst/ Gemüse.
    Nein, das sind schon wir VerbraucherInnen, die da verantwortlich sind!!

  2. Achja, zum Thema Flüssigseife: die Stückseife finden inzwischen viele „unhygienisch“, ich habe nämlich nachgefragt im Kolleginnenkreis. Da hat die Werbung ganze Arbeit geleistet mit ihrem antibakteriellen Firlefanz *g*

  3. Ich bin auch um Einzelhandel – und es gibt immer wieder Kunden, die geradezu erbost sind darüber, nicht als ‚Serviceleistung‘ eine kostenlose Tüte zu bekommen. Ich werde nicht müde, zu diskutieren, wenn es auch nur ein kleiner Anfang ist.
    Zum Thema Seife: Flüssigseife kann man ganz einfach selber machen!

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