Unsere neuen „grünen“ Supermärkte

Die „Großen“ denken um. Rewe, Lidl, Aldi, Edeka und Co. wollen weniger in Plastik verpackte Lebensmittel anbieten. Das schreiben sie auf große Plakate, werben in ihren Prospekten dafür, appellieren an ihre Kunden. Das große Umdenken zeigt Wirkung. Denn die großen Händler bekommen dadurch viel Aufmerksamkeit. Zu Unrecht! Denn oft steckt nur Greenwashing dahinter. Das Problem ist: Die Kunden greifen zu!

Die Zeitungen berichten großformatig über Aldi. Der Discounter spare bei Joghurtbechern nun 20% der Verpackung ein. Man habe den Plastikdeckel abgeschafft. Wer seinen Joghurt beim Transport schützen möchte, kann nun für 79 Cent einen Mehrwegdeckel kaufen.

Gleichzeitig stellt Aldi ein neues Produkt vor. Zitronen- und Vanillepaste in fetten Plastiktuben. Doch Aldi ist damit nicht allein.

Die PR-Maschinerie läuft auch Hochtouren. Doch wissen die Marketing-Leute im Büro, wie es wirklich im Supermarkt aussieht? Diese Frage stellt sich leider, wenn man sieht, was an vermeintlichen Innovationen im Regal angeboten wird. Wasser für den Kaffeevollautomaten, das fünfmal soviel kostet, wie unser (zu kalkhaltiges) Leitungswasser. Aber es wird gekauft!

Extra Salz fürs Nudelwasser – in der Plastiktüte – damit man… ja, was eigentlich? Wofür? Kann man kein „normales“ Salz verwenden? Was ist an Nudelwasser-Salz anders? Ich fürchte aber: Es wird gekauft. Wahrscheinlich, weil es von Starkoch Alfons Schuhbeck empfohlen wird.

Das praktische Mettbrötchen für die Handtasche. Wie soll man es schließlich sonst transportieren. Man hat schließlich keine Zeit in der heutigen Zeit. Selber schmieren? Die eigene Dose mit zum Metzger nehmen? Wer soll das schaffen, wo wir doch so viel im Kopf haben. Wie schön, dass Rewe für uns mitdenkt.

Und deshalb bekommen wir unser Plastikproblem nicht in den Griff! Denn obwohl die Supermärkte und Discounter Besserung geloben und dafür viel Lob ernten, werden die Verpackungen immer mehr – und im Übrigen immer absurder. Jedes Jahr meldet die Verpackungsindustrie Zuwächse. Immer mehr statt weniger wird verpackt – doppelt und dreifach. Und zwar aus Profitgier! Oder wie sonst erklären wir drei Raffaelo in der dicken Plastikhülle und den portionierten Honig zweimal verpackt?

Für all diese seltsamen und ärgerlichen Angebote in unseren Märkten habe ich vor einiger Zeit den Hashtag #scheissderwoche ins Leben gerufen. Denn leider findet sich kein „schönerer“ Begriff dafür. Man muss den Scheiß beim Namen nennen. Das scheint jedoch unsere Händler nicht zu interessieren. Im Gegenteil.

Die Medien tragen ihren Teil dazu bei. Denn während die Gießener Allgemeine Aldi für den Joghurtdeckel lobt, strahlt sie auf der selben Seite ein Video aus, das den Versuch einer Reporterin zeigt, plastikfrei im Supermarkt einzukaufen. Natürlich bekam sie nicht alle Artikel auf dem Einkaufszettel dort. Also ging sie in einen Biomarkt. Und siehe da: Nudeln, Kaffee, Shampoo am Stück und sogar Waschmittel gab es dort ohne Verpackung. Alles zusammen für rund 10 Euro!

Falsches Fazit

Doch ihr Fazit war falsch: Plastikfrei einkaufen ginge schon, allerdings bräuchte man dazu mehrere Läden und natürlich mehr Zeit.

Das ist doch Quatsch! Sie könnte den Joghurt, den sie im Supermarkt gekauft hat, auch Äpfel und Paprika sowie Wasser und Seife statt Duschgel hätte sie im Biomarkt bekommen.

Den Weg in den Supermarkt könnte sie sich komplett sparen. Ihr Geld würde bei dem kleinen Händler landen, der es besser macht, der die Umwelt schont und auch noch persönlich für seine Kunden da ist.

Wir stecken in einem Teufelskreis, aus dem wir nicht herauskommen, wenn wir nicht endlich umdenken.

12 Gedanken zu “Unsere neuen „grünen“ Supermärkte

  1. Genau, das musste mal gesagt werden. Ich verstehe das Argument plastikfrei oder unverpackt einkaufen kann sich nicht immer jeder leisten. Auch ich muss schauen wie ich eine 5-köpfige Familie satt bekomme. Aber wer sich so einen Scheiß wie Nudelwasser-gewürzsalz, welches doch sicher ein vielfaches von normalem Salz kostet, leisten kann, der hätte sich sicherlich auch einen Einkauf im Bioladen leisten können.

  2. Die Reporterin der Gießener Allgemeinen kennt vermutlich keine Tante-Emma-Läden mehr, sondern nur die Supermärkte vor der Stadt. Früher konnten die eigenen Kinder getrost alleine zum Einkaufen geschickt werden. Heute gibt es in vielen ländlichen Regionen gar keine eigenen Geschäfte mehr, nur noch weit entfernten Supermarkt. Wir müssen endlich erkennen: Der ach so moderne Supermarkt ist nur bedingt praktisch. Praktisch wäre ein kleiner Laden vor Ort, wo ich im Zweifel auch zu Fuß hinkomme. Für meinen täglichen Bedarf bekomme ich da alles. Aber wenn ich mir die oben beschriebenen Produkte ansehe, selbst Kochen stirbt wohl auch bald aus.

  3. Leider kommen die Leute immer mit neuen Ausreden um die Ecke. Wir haben seit Oktober 2019 erst angefangen Plastik zu verbannen und ganz ehrlich?! Es ist überhaupt kein Problem. Und das Thema Zeit und zu teuer sind für mich die schlechtesten Ausreden! Darf ich mir raus nehmen z.B. zu Leuten zu gehen, die im Supermarkt ihre Bananen in Plastiktüten einpacken? Ich kriege im Supermarkt immer öfter eine voll Katastrophe…
    Klar auch wir machen wahrscheinlich nicht alles perfekt, aber wir haben wenigstens begonnen und haben die Augen geöffnet.

      1. Das ist richtig. Und genau das ist der Punkt, warum ES nicht funktioniert. Solange es umweltschädliche Angebote gibt, die nicht verboten werden, werden diese auch weiter genutzt werden. Das Verhalten von uns Wenigen hat keinen Einfluss auf unsere Nächsten. Die Trägheit im Alltag siegt. Wenn nicht endlich aus der Politik umfassende Vorgaben kommen, wird sich nichts ändern, das versprech ich euch!

  4. Ich verstehe auch die Scheu der Leute vor dem Einkaufen in Biomärkten oder auf Wochenmärkten überhauptet nicht. Da bekommt man für jeden Geldbeutel etwas, vor allem auch mit null oder wenig Verpackung. WIESO hört man immer noch die Fragen, ja wo gibts das denn in besser und woher soll man denn wissen was ökologisch erzeugt, mit Tierwohl, gesund etc. ist. Hallo? Seit den 80er Jahren kenne ich Bioläden, und da fragt man sich wirklich, was falsch gelaufen ist, dass die original ökologisch erzeugenden Betriebe, die auch unverpackte Waren oder im Glas anbieten, immer noch eine Unbekannte im Gehirn unserer lieben Mitmenschen sind. Im Zeitalter der umfassenden Informationsmöglichkeiten! Da hat das Marketing der Konzerne ganze Arbeit geleistet – das ist heute nicht nur Greenwashing, das war schon immer Gehirn-Washing. Wir werden einfach weiter zugemüllt. Bei den immer häufigeren Stürmen fliegen hier die Plastikteile aus den bis oben vollgestopften Mülltonnen herum. Es kotzt mich so an! Das ist doch alles eine Frage der Prioritäten, ob man Zeit für umweltfreundliches Einkaufen und echte Lebensmittel hat. Sorry für den angesteckten Tonfall…

  5. Ich versuche seit einiger Zeit, möglichst viel Plastik zu vermeiden, manches gelingt, manches (noch) nicht. Unter anderem sind Milch, Joghurt und Getränke im Glas ( oder Wasser aus dem Hahn) schon lange selbstverständlich, ebenso Wurst (schon wesentlich reduzierter als früher) und Käse in unseren eigenen Dosen, und festes Shampoo und Seife ebenfalls, auch für meinen Mann und die Kinder. Als mein jetzt 24-jähriger Sohn letzte Woche selbst das Abendessen für die (gemeinsam geplante) Familienfeier einkaufte, hatte er kein Schnittlauch gekauft. Am nächsten Tag brachte ich einen Topf Schnittlauch mit nach Hause, der eine Plastikverpackung hatte. Darauf mein Sohn: „ Den habe ich nicht gekauft, weil Plastik drum war!“
    Es sind kleine Bemühungen, aber sie wirken schon…
    Jede/r soviel er möchte und kann, Hauptsache, es wird darüber nachgedacht und unser Plastikproblem nicht ignoriert, bzw. schöngeredet.
    Liebe Grüße an alle und nicht den Mut verlieren

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