„Plastikfrei“ heißt nicht „Ohne Plastik“!

Das Netz ist voll mit der Meldung einer niederländischen Biomarktkette. Die Schlagzeile macht neugierig: „Ekoplaza führt Gang mit plastikfreien Produkten ein!“ ist da etwa zu lesen. Ich halte davon nur wenig. 

„Es sieht aus wie Plastik, aber es ist keins!“ steht auf dem Schild über den Regalen im „plastikfreien Gang“ der Ekoplaza-Biomärkte. Ja, man muss schon darauf hinweisen, denn auf den ersten Blick erkennt man nicht, dass die Verpackungen hier nicht aus Plastik sein sollen. Aber warte  mal… Die Verpackungen sind nicht aus Plastik? Das ist schon mal falsch. Sie sind nicht aus erdölbasiertem Plastik. So muss das richtig heißen. Das ist ein großer Unterschied!

Was bietet der Supermarkt an?

Ekoplaza und die Organisation  A Plastic Planet wollen mit dem neu geschaffenen Angebot auf das Plastikmüll-Problem hinweisen und Alternativen anbieten. Auf ihrer Homepage schreibt die Organisation ganz deutlich: „Wir wollen nicht verpackungsfrei sein, sondern plastikfrei!“ Und so findet man im plastikfreien Gang ein breites Sortiment an Produkten, die nicht unverpackt daher kommen, sondern eben ohne Hülle aus Erdölplastik.

Solche Meldungen verfolge ich natürlich mit großem Interesse. Und viele meiner Leser interessieren sich für meine Meinung dazu. Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Link zu der Meldung geschickt bekommen habe. „Frau Schubert, was halten Sie davon?“ oder „Endlich ein Schritt in die richtige Richtung!“ – habe ich oft gelesen.

Frau Schubert sagt: Müll ist Müll

Auf das Problem Plastik aufmerksam zu machen ist gut, keine Frage. Aber Müll bleibt Müll – und gerade den will ich ja nicht mehr. Bei meinen Vorträgen erzähle ich immer, dass ich Plastik gar nicht verteufle – meine Kinder spielen auch mit Lego und Playmobil, bei meiner Klobürste habe ich mich bewusst für Kunststoff entschieden. Ich bin jedoch strikt gegen Wegwerfplastik! Nein, ich bin gegen Wegwerfprodukte jeglicher Art! Und dazu zählen eben auch die Verpackungen aus pflanzenbasiertem Kunststoff.

Unverpackt einzukaufen ist viel umweltfreundlicher aus Ware in Bioplastik, deren Verpackungen auch nur im Müll landen.

Wir können unseren Bedarf an Plastik nicht mit Bio-Plastik decken. Und auch das Recycling von biobasierten Kunststoffen ist derzeit noch ein Problem. Wir müssen vielmehr versuchen,  Müll zu vermeiden – jegliche Art von Müll – ob Plastik, Papier oder eben auch Bio-Kunststoffe. Und da hilft es nicht, immer mehr Lebensmittel in neuartige Verpackungen zu stecken, die auch nach einmaligem Gebrauch in der Tonne landen. Deshalb halte ich wenig von groß aufgezogenen Kampagnen, die uns suggerieren, wir täten der Umwelt was Gutes, in dem wir nicht mehr Plastik- sondern anderen Müll produzieren. Viel wichtiger ist es, Unverpackt-Läden zu fördern. Denn dort beruhigt man nicht nur sein grünes Gewissen, sondern tut der Umwelt wirklich etwas Gutes!

14 Gedanken zu “„Plastikfrei“ heißt nicht „Ohne Plastik“!

    1. Da haben Sie recht! Weil ich das aber zu oft tun musste, benutze ich nun eine aus Plastik mit Silikonlippe, die sich hygienisch reinigen lässt und deshalb viele Jahre lang verwendet werden kann. Wenn ich die aus Holz nach wenigen Wochen austauschen muss, weil sie schimmelt, ist mir das einfach zu viel Müll. :)

  1. Hallo Frau Schubert!
    Ich sehe das auch eher so wie Sie.
    Denn … es ist und bleibt ein Wegwerfprodukt, es tut sich nichts bezüglich der Müllproblematik an sich.
    Im Gegenteil: Es fällt beim Zerfall von sogenannten Bioplastikprodukten in der Regel CO2 an (Sollte das nicht reduziert werden, weil es zu den Klimakillern zählt oder habe ich da was falsch verstanden? Unlogisch … .). Und es muss ja auch Anbaufläche genutzt werden, die dann wieder für Lebensmittel fehlt (ähnlich wie beim Biosprit). Was ist denn daran bitte besser?
    Für mich ist das nur wieder eine gezielte Irreführung der Verbraucher, um auf der ‚Nachhaltigkeitswelle‘ mitzuteilen und so richtig schön zusätzlich Kasse zu machen. Denn der Begriff Nachhaltigkeit ist ja aktuell in aller Munde, genauso wie Fairtrade oder UTZ. Wer aber mal genauer hinter die Fassade blickt, merkt schnell, wie hier ganz oft von Seiten der Hersteller getrickst wird. Oftmals ist das nur auf einzelne Inhaltsstoffe in den Lebensmitteln bezogen. Und was ist mit dem Rest? Man ist wirklich gezwungen, sich die Zutatenliste der Produkte genauer anzusehen, sonst ist man als Verbraucher der Dumme … .
    Für mich gibt es auch kein nachhaltiges Palmöl … . Die ““nachhaltigen‘ Palmen stehen auch auf vorher gerodeten Flächen in den Regenwaldregionen.
    Ich freue mich schon auf den neuen Film ‚Die grüne Lüge‘ von Herrn Boote – auch, wenn ich wohl schon das Grundproblem an sich verstanden habe … .
    Ich habe auch einen Wassersprudler mit Plastikgehäuse Zuhause – aber bewusst. Weil ich Transportwege UND Verpackung einsparen und so die Umwelt entlasten wollte. Denn auch Glasflaschen verbrauchen Energie bei der Reinigung, um sie wieder nutzen zu können und irgendwann muss man sie dann doch einschmelzen und neue produzieren. Und dann kommt der Transport hinzu. Neue Deckel müssen aus hygienischen Gründen auch immer wieder hergenommen werden … . Leitungswasser habe ich Zuhause und es ist billiger. Was ist also auf Dauer besser für die Umwelt? Ich musste da nicht lange überlegen … .
    Und bei dem WC-Bürsten-Thema überlege ich auch, auf langlebiges Silikon umzuschwenken. Denn es macht super sauber, ist sehr hygienisch und hält fast ewig. Wie viele Bäume sollen denn dann sterben, wenn wir alle nur noch Holzbürsten benutzen würden und die dann ständig wegschimmeln?
    Man muss ganzheitlich denken und nicht nur einen Aspekt sehen, wenn man sinnvoll handeln und gleichzeitig für die Umwelt etwas Gutes tun möchte.
    Plastik im Haushalt und Alltag reduzieren? Eindeutig JA. Aber nicht um jeden Preis … .
    Manchmal ist es doch sinnvoller, Produkte aus Silikon oder mit Plastikanteil anzuschaffen, wenn man damit Ressourcen schont, Müll vermeidet und unnötige Transportwege reduziert. Denn auch das hat etwas mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu tun.
    Liebe Grüße,
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne,

      meine erste Klobürste aus Holz ist auch geschimmelt, aber nicht nach Wochen, sondern nach Monaten. Gekauft hatte ich sie im Internet und verpackt war sie in Plastik.
      Meinen Nachfolger habe ich auf einem Markt gekauft – ohne Plastik und bisher ohne Schimmel.

      Zum Thema Wasser(sprudler): wenn das Leitungswasser nach Chlor stinkt wie ein Schwimmbad und man manchmal hört, was aus Leitungswasser nicht rausgefiltert werden kann, lässt sich auch darüber streiten. Ebenso darüber, ob Kohlensäure gesund ist oder nicht.

      Letztendlich muss das doch jeder für sich entscheiden. Ich wollte nur Frau Schuberts Gründe für die Rückkehr zur Plastikbürste wissen – und kann das natürlich nachvollziehen. Ich selbst würde auch in Zukunft wieder auf Holz zurückgreifen.

      1. Hallo Jul,

        ich weiß ja nicht, wer von denen, die hier so schreiben, wo genau wohnt, aber unser Wasser hier in der Schorfheide schmeckt eindeutig nach Wasser und nicht nach Chlor.

        Und daß Leitungswasser schlechter sein soll, als beispielsweise stilles Wasser aus der Flasche, stimmt so auch nicht. Im Gegenteil. Vielleicht hilft dieser Artikel ja zum besseren Verständnis weiter: https://www.google.de/amp/s/utopia.de/stiftung-warentest-leitungswasser-mineralwasser-26788/amp/
        Oftmals schnitt das Leitungswasser besser ab und enthielt weniger bedenkliche Stoffe als erwartet. Dafür gab es zum Beispiel beim stillen Wasser einige unangenehme Überraschungen.

        Der Sprudler ist ein Kompromiss für unsere Gäste. Ich selbst trinke nur Leitungswasser pur oder Kaffee. Ich will aber niemandem seinen geliebten Sprudel verwehren, wenn er bei uns zu Besuch ist. Denn aktuell haben wir schon oft genug irritierte Gesichter gesehen, wenn wir offen gesagt haben, daß wir unseren Plastikkonsum drastisch reduziert haben und dieses oder jenes bei uns nicht mehr ins Haus kommt. Mein Schwiegervater zum Beispiel ist 84 und den kriege ich nicht mehr geändert. Also bekommt er bei uns gesprudeltes Leitungswasser, weil er sonst nur Mineralwasser (aus der PET-Flasche) trinkt. Auch andere Besucher, die ich wegen unseres Lebenswandels nicht verprellen möchte, bekommen gesprudeltes Wasser mit Sirup (Glasflasche), wenn sie das möchten.

        Zur WC-Bürste: Solange nur einige wenige auf Holz umsteigen, ist das soweit sicher kein Problem. Wenn aber ALLE die Idee kämen, hätten wir wohl doch ein Rohstoff-Problem. Und das wäre wieder nicht gut für die Umwelt. Deshalb der Gedanke mit der Silikon-Bürste. Wenn da schon von vorneherein 5 Jahre Garantie drauf sind, dann kann man davon ausgehen, daß sie auf jeden Fall länger halten wird. Wenn ich also die WC-Bürste aus Holz 1x jährlich wechseln würde (was ich für hochgegriffen halte), dann hält die Silikon-Variante so schon mindestens 5 x länger. Und da kann man dann auch „nur“ den Kopf auswechseln, wenn er verschlissen ist. Mir erscheint das auf Dauer einfach nachhaltiger und sinnvoller als die Holzvariante.

        Es ist wahrlich so, daß jeder für sich selbst entscheiden muss, wie er was umsetzt und was er für richtig hält. Wir verfolgen irgendwo alle das gleiche Ziel, aber die Wege sind eben verschieden.

        Wichtig ist doch eigentlich, daß man die Augen nicht verschließt und so tut, als ginge einen das alles gar nichts an oder – was ich in letzter Zeit immer öfter gehört habe – als ob man ja „eh nichts machen“ könne … .

        Liebe Grüße,
        Yvonne

        1. Liebe Yvonne,

          lieben Dank für dieses ausführliche Statement!
          Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu und finde sehr schön, wie Sie das mit Besuch handhaben.

          Mein Mann will immer Cola kaufen, wenn bestimmte Leute kommen. Das habe ich allerdings verboten ☺️

          Wir haben uns auf Biolimo geeinigt.

          Viele Grüße
          Frau Schubert

  2. Hallo Frau Schubert!
    Was ich noch vergessen habe:
    Soweit ich weiß, landet das Bioplastik aktuell noch in der Verbrennung, weil es bei den Kompostieranlagen – wie alles andere Plastik auch – aussortiert wird und die Recyclingfirmen damit nichts anfangen können. So kenne ich es zumindest aus Reportagen zu diesem Thema. Wenn sich da etwas geändert haben sollte, lasse ich mich gerne berichtigen.
    Und ich vergaß, zu erwähnen, dass die Flaschen unseres Wassersprudler aus Glas sind.
    Entschuldigung … aber das war mir noch wichtig.
    LG Yvonne

  3. So, ich habe nun noch einmal genauer recherchiert bezüglich des CO2-Problems. Es fällt zwar beim Zerfall von Bioplastik weniger CO2 an als bei erdölbasiertem Plastik, nämlich nur soviel wie die Pflanze vorher aufgenommen hat. Klingt ja erst einmal gut. Bedeutet das jetzt, dass Bioplastik wirklich CO2-neutral bzw. ökologisch sinnvoller ist? Nicht wirklich … . Denn da ja auch der Anbau (1. Nutzung landwirtschaftlicher Fahrzeuge = CO2-Ausstoß/die Problematik ist wohl jedem bekannt, 2. Nutzung von Düngemitteln = höhere Belastung von Böden und Gewässern/stärker als bei herkömmlichen Kunststoffen lt. Umweltbundesamt und 3. Nutzung von Ackerflächen für Verpackungen statt für Lebensmittel), die Herstellung der Verpackungen (Verbrauch von Energie/Wer garantiert einem denn, dass die aus CO2-neutralen Kraftwerken kommt?) und der Transport (wieder fällt CO2 an) hinzu kommt, ist die Öko-Bilanz auch nicht viel besser. Und schon ist die „Mogelpackung“ enttarnt. Das IST keine Alternative!
    Ich zitiere einmal eine Stellungnahme des BUND zum Thema biologisch abbaubarer Kunststoff:
    „Biologisch abbaubare Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, sind ein Irrweg.“
    Was Bioplastik angeht, bin ich auf jeden Fall nicht bereit, diesen Trend mitzumachen – denn da kommen wir echt nur vom Regen in die Traufe.
    LG Yvonne

  4. Ich finde, ein sehr wichtiger Grund, Verpackungen aus jeglicher Art Plastik – egal ob aus Erdöl oder pflanzlich – zu vermeiden, ist die müllbelastunh unserer Gewässer. Selbst kompostierbare plastikverpackungen verhalten sich nicht anders als erdölplastik wenn sie im Meer landen. Denn um diese biokunststoffe abzubauen, benötigt man Temperaturen über 60 grad, was nur in einer kompostieranlage erreicht werden kann. Als Kunde bekommt man aber suggeriert, dass man kompostierbares Plastik einfach hinter den Knick schmeißen kann… das macht es dann im Grunde schlimmer, als wenn man recycelbares Plastik richtig entsorgt.

  5. Hallo liebe Frau Schubert,

    das Thema trifft den Nagel auf den Kopf. Alle Leute reden immer von Plastik vermeiden, dabei ist das ja eben nur „ein“ Teil des Problems. Nicht nur die Plastikmüllberge quellen über, die Müllberge an sich sind ja das Problem. Es gibt meiner Meinung nach nur eine Lösung und das ist die konsequente Vermeidung jedes Verpackungsmülls.
    Ich bin mittlerweile soweit, meinen „Kosmetikschrank“ total „verpackungsentleert“ zu haben. Wie das funktioniert? Ich bin zur Körperpflege auf Aleppo-seife umgestiegen, ja auch zum Haare waschen, zum Zähne putzen, und und und. Das einzige was ich mir zugestehe ist eine Dose mit Bio-Creme. Die verwende ich dann aber auch ganz vielfältig weiter.

    Lieben Gruß Bianca J.

  6. Danke für den Beitrag. Auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt den man nicht vergessen sollte.
    Der Beitrag mit dem plastikfreien Supermarktflur habe ich damals auch gesehen. Im ersten Moment freut man sich über die News über den plastikfreien Supermarkt. Wenn man dann genauer hinschaut wird klar dass die Überschrift aus dem damaligen Artikel etwas weit hergeholt ist und lediglich aus keinem erdölbasiertem Plastik stammt. Natürlich wäre komplett unverpackt und komplett plastikfrei eine noch tollere Nachricht jedoch sehe ich das ganze als Chance.

    Auf unserer Seite EcoYou haben wir damals das Video über den Supermarkt auch geteilt und viele Menschen die sich normalerweise nicht für diese Thematik interessieren wurden aufmerksam – ein erster Schritt in die richtige Richtung :)

Kommentieren

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.